Donnerstag, 22. Februar 2018

Eine Typologie der Supermarkt-Nervensägen


Da ich mehr als Dreiviertel unserer Lebensmitteleinkäufe tätige und schon immer meine Mitmenschen genau beobachtet habe, habe ich jetzt eine Typologie der Supermarkt-Nervensägen entwickelt. Feminist*innen werden sich wohl kaum daran stören, daß ich sie nur in der männlichen Form beschreibe, weil es sich ja um mehr oder weniger unsympathische Zeitgenossen handelt.

1) Der Doppelparker
Er stellt sein Auto so auf dem Parkplatz ab, daß er bequem ein- und aussteigen kann. Daß er damit zwei Plätze belegt, das fällt ihm entweder gar nicht auf, oder er übersieht es geflissentlich.

2) Der Vorsteher
Er sucht sich in einem Gang im Geschäft eine schmale Stelle aus, z.B. neben einem abgestellten Einkaufswagen. Neben den plaziert er sich und bleibt dort lange stehen, während er sich gedanklich in die schwierige Frage vertieft, ob es vielleicht doch eine Quadratur des Kreises gibt, und wenn ja, welche.

3) Hans Guckindieluft
Wie der Vorsteher ist er anscheinend fest davon überzeugt, der letzte Überlebende der Menschheit zu sein. Andere Kunden müssen ihm ständig ausweichen, weil er seinen Wagen durch die Gegend schiebt, ohne zu gucken, wohin. Er biegt auch unvermittelt ab, wenn gerade jemand versucht, an ihm vorbeizukommen.

4) Der Geldbeuteltieftaucher
Er ist meist mindestens sechzig Jahre alt und geht davon aus, daß die Kassiererin über keinen Cent Wechselgeld verfügt. Deshalb zahlt er genau passend. Das gestaltet sich jedoch schwierig, weil seine Augen nicht mehr die besten sind und er seine Lesebrille nicht dabei hat. Und die Finger sind auch schon ein bißchen steif. Wenn die Kassiererin ihm dann angesichts der immer länger werdenden Schlange dabei helfen will, lehnt er das aber empört ab. Sowas kann er schließlich immer noch selbst!

5) Der konsequente Scheckkartenzahler
Er wiederum ist in der Regel unter vierzig und zahlt auch Bagatellbeträge prinzipiell mit der EC-Karte. Leider weiß er auch nach vielen solchen Vorgängen immer noch nicht, wie herum man diese Karte in das Lesegerät steckt. Und dann dauert es oft noch ein bißchen, bis der Betrag abgebucht ist. Dieser Typ ist fast so nervig wie sein soeben beschriebenes Gegenstück.

6) Der pedantische Phlegmatiker
Das Bezahlen geht bei ihm glücklicherweise relativ zügig. Aber leider fängt er erst danach an, die Waren zu verstauen, die die Kassierein zuvor über den Scanner gezogen hat. Er legt sie nicht etwa erst einmal in den Einkaufswagen zurück, sondern sortiert sie pedantisch in verschiedene mitgebrachte Einkaufstaschen. Vorher müssen aber noch in aller Ruhe das Wechselgeld und der Kassenbon im Portemonnaie verstaut werden, während die Wurzeln, die die Kunden hinter ihm geschlagen haben, einen immer festeren Halt im Boden bekommen. Erst danach sieht er sich in der Lage, den Platz an der Kasse freizugeben.

7) Der überaus Respektvolle
Diese Beschreibung trifft leider auf fast alle Kunden zu, wenn sie sich an Position zwei an der Kasse befinden. Viele von ihnen fahren auf der Autobahn-Überholspur dem Vehikel vor ihnen  bis auf Zentimeter auf. Aber hier an der Kasse halten sie auf einmal mindestens eine Einkaufswagenlänge Abstand, damit es nur ja keinen Auffahrunfall gibt. Dadurch kann ein Gutteil des Laufbandes für die Einkäufe nicht genutzt werden. Dieses Verhalten ist für mich äußerst rätselhaft. Wäre ich ein junger Psychologe, dann würde ich es erforschen und darüber eine Doktorarbeit schreiben.